Re-Start der Frankfurter Messen mit neuem Hygienekonzept – Es geht wieder los!

Mit der Corona-Pandemie sah sich auch die Messe Frankfurt einer großen Herausforderung gegenüber. Dass jetzt erstmals seit Ende Februar wichtige und kommunikationsstarke Business-Plattformen wie die Nordstil (5.–7. September 2020 in Hamburg) oder Publikumsmessen wie die Buchmesse (14.–18. Oktober 2020 in Frankfurt) wieder starten, werten Hersteller, Händler und Fachbesucher als positives Signal. Zurück sind damit der so wertvolle persönliche Austausch, das unmittelbare Erleben von Trends und das Entdecken von Neuheiten. Dies ist umso relevanter mit Blick auf die internationalen Leitmessen, die im nächsten Frühjahr in Frankfurt stattfinden werden, wie die Christmasworld, Paperworld & Creativeworld (29./30. Januar – 2. Februar 2021) und die Ambiente (19. – 23. Februar 2021). Hygiene und Sicherheit haben beim Re-Start oberste Priorität, wie die Experten des verantwortlichen Operation & Security Centers (OSC) der Messe Frankfurt deutlich machen.

Eine Außenaufnahme des Messegeländes. Man sieht rechts die Halle 12, den gläsernen Aufgang dorthin, und links ein weiteres Messegebäude. Dazwischen verläuft eine große Straße.

Frankfurt und die Welt
Die Messe Frankfurt traf das Auftreten des neuen Virus in Deutschland nicht ganz unvorbereitet, wie Frank Richard, Leiter des Operation Security Centers der Messe Frankfurt, schildert: „Durch unsere Messen in China hatten wir sehr früh Kenntnis von der Situation in den dort betroffenen Städten und Provinzen – und wir reagierten sofort. Wir bestellten 15.000 Mund-Nasen-Bedeckungen, noch bevor diese vergriffen waren. Wir stellten bereits bei der Ambiente zusätzliche 120 Desinfektionsspender in den Hallen auf. Mittlerweile haben wir an gut 500 Positionen solche Spender im Einsatz.“ Die Leitstelle des Operation Security Centers ist täglich rund um die Uhr besetzt und kann so auf jede Gefahrensituation unmittelbar reagieren beziehungsweise die notwendigen Maßnahmen in die Wege leiten. „Unser Center ist verantwortlich für die komplette Betriebssteuerung des Messegeländes und das Notfall-Management, einschließlich Sicherheit und Zusammenarbeit mit den Rettungsdiensten, der Polizei und Feuerwehr“, so Richard. Seit Beginn der Corona-Pandemie fließen tagesaktuelle Statistiken in sein Handeln und Planen mit ein: „Wir beobachten von Frankfurt aus sehr genau, wie sich die COVID-19-Fallzahlen in ganz Deutschland darstellen und entwickeln.“

Frischluft und breite Boulevards
In den vergangenen Monaten hat die Messe Frankfurt ein umfangreiches Schutz- und Hygienekonzept – in engster Abstimmung mit dem Gesundheitsamt der Stadt Frankfurt – entwickelt. Martin Forstner, Bereichsleiter für Operations und damit Teil des Entwicklerteams des neuen Konzepts, erläutert die Inhalte: „Unser Konzept basiert auf den Vorgaben des Landes Hessen und umfasst die Themen Hygiene, Abstand und Kontaktverfolgung. Sehr detailreich haben wir darin festgelegt, welche Maßnahmen getroffen werden müssen und welche Bedingungen von Ausstellern und Besuchern eingehalten werden müssen, um allen eine größtmögliche Sicherheit zu bieten. Wir haben beste Voraussetzungen. Die Messe Frankfurt hat in den letzten Jahren Millionen Euro in die Anlagentechnik am Standort investiert, das ist heute unser großer Vorteil, denn wir sind mit modernsten Lüftungsanlagen ausgestattet, was übrigens einen wesentlichen Aspekt zur Genehmigungsfähigkeit von Messen darstellt. Wir sind in der Lage, sämtliche Messehallen mit einem sehr hohen Anteil an reiner Frischluft, also Außenluft, regelmäßig neu zu versorgen. Des Weiteren wird es boulevardartige Gänge geben, die zwischen fünf und acht Meter breit sind, damit das Abstandsgebot gewährleistet ist. Daneben wird es ‚Kommunikationszonen‘ geben, die es ermöglichen, mit dem notwendigen Abstand zu anderen an oder vor einem Stand zu verweilen. Kurz, alles ist sehr viel luftiger als das Aussteller und Besucher bisher kannten.“

Ankommen und Einlass
Wie stellen sich vor dem Hintergrund des neuen Schutz- und Hygienekonzepts die kommenden Messen dar? Wie wird der Einlass koordiniert und was müssen Teilnehmer im Vorfeld beachten? „Jeder Teilnehmer, der das Messegelände betritt, muss einen Mund-Nasen-Schutz bei sich führen, das ist Voraussetzung. In den Zugangs- und Ausgangsbereichen, wo es zu Stoßzeiten zu Warteschlangen kommen kann, ist ein Mund-Nasen-Schutz unerlässlich. Jeder Besucher hat, bevor er das Gelände betritt, außerdem eine Selbsterklärung auszufüllen, die uns ermöglicht, Verdachtsfälle von der Veranstaltung auszuschließen bzw. bei Unklarheiten weitere Maßnahmen zu ergreifen. Darin muss der Besucher unter anderem angeben, ob er sich in den Vortagen in einem Corona-Risikoland oder -gebiet aufgehalten hat oder kürzlich Kontakt zu COVID-19-Erkrankten hatte. Auch diese Selbsterklärung ist Pflicht. Die Zutrittskontrollen der registrierten Besucher verlaufen kontaktlos. Medizinische Versorgung und ärztliche Fachberatung auf dem Messegelände sind gesichert. Sämtliche Mitarbeiter, auch das Service- und Gastronomiepersonal, sind hier in allen Punkten entsprechend geschult.“, so Frank Richard. Auch Herr Forstner bezieht Stellung: „Durch vorangegangene Pandemien weiß man aus anderen Ländern, etwa Kanada, dass das Instrument des Temperaturscreenings hinsichtlich Aufwand und verwertbarem Ergebnis in keinem Verhältnis steht. Vom deutschen Robert-Koch-Institut gibt es die Empfehlung, auf das Fiebermessen zu verzichten. Sollte das im Zuge der Corona-Pandemie zurückgenommen werden, führen wir diese Maßnahme natürlich durch. Der Einlass ist eine große Herausforderung, denn die Besucher und Aussteller treffen durch den öffentlichen Nahverkehr schubweise ein. Um diese Dichte spürbar abzuschwächen, bauen wir gerade weitere, alternative Zugänge. Auch das Thema Parken haben wir überdacht. So erweitern wir unsere Parkmöglichkeiten, etwa auf dem Rebstockgelände, von wo aus man per Bus-Shuttle auf das Messegelände gelangt. Die Busfrequenz werden wir mit mehr Fahrzeugen deutlich erhöhen.“

Desinfektionsspender an allen Ständen
Während auf dem Messegelände die Messe Frankfurt als Veranstalter und Betreiber für die Umsetzung und gewissenhafte Einhaltung der gültigen Schutz- und Hygieneregeln verantwortlich ist, obliegt diese Verantwortung auf dem Stand den Ausstellern. „Standbetreiber sind für ihre Mitarbeiter und Standbesucher verantwortlich. Dies ist vergleichbar mit der Einhaltung von Arbeitsschutzgesetzen“, erklärt Heiko Strutz, Abteilungsleiter Technical Project Management. Zu seinen Aufgaben gehören unter anderem die Hallenaufbauplanung und Standbau-Genehmigungen. Aussteller der kommenden Messen werden bereits frühzeitig über die erweiterten Schutz- und Hygienerichtlinien informiert, so Heiko Strutz: „Jeder erhält von uns, ergänzend zu den technischen Richtlinien, ein entsprechendes Merkblatt. Letzteres schreiben wir gemäß den aktuellen behördlichen Verordnungen und medizinischen Empfehlungen permanent fort. Im Zuge dessen wird auch darauf hingewiesen, Standbaukonzepte räumlich großzügiger zu planen und jeden Stand mit klar gekennzeichneten und kontrollierbaren Ein- und Ausgängen auszustatten. Jeder Stand hat gut sichtbar einen Desinfektionsspender bereitzuhalten, für Besucher und Mitarbeiter. Diesen können die Aussteller selbst mitbringen oder auch bei uns mieten.“ Anfassen erlaubt? „Wir empfehlen den Ausstellern, Exponate häufiger zu reinigen und ggfls. zu desinfizieren“, macht Heiko Strutz deutlich.

Restaurants und Catering
Das ist eine gute Nachricht: Alle Restaurants, Cafés und Bistros auf dem Messegelände haben wie gewohnt geöffnet und bieten vielfältigen kulinarischen Genuss für kleine Auszeiten. An allen Standorten werden die Schutz- und Hygieneregeln streng eingehalten und kontrolliert. „Ebenso müssen Aussteller nicht auf das bewährte Catering an ihren Ständen verzichten“, ergänzt Martin Forster, betont aber: „Die sonst oft üblichen kleinen Aussteller-Events an den Ständen nach Messeschluss sind aufgrund der aktuellen COVID-19-Richtlinien leider nicht erlaubt.“

Mit UV-Licht in die Zukunft
Damit auch in den nächsten Jahren stationäre Messen nicht zum Viren-Hotspot werden, arbeitet die Messe Frankfurt mit Hochdruck am effizienten Einsatz neuer Technologien. Martin Forstner: „Wir haben in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Aachen ein wissenschaftliches Projekt und untersuchen die Bedeutung von Aerosolen im Zusammenhang mit der Ausbreitung von COVID-19. Hierbei wollen wir die Aspekte Aerosole und wirksame Methoden in der Anlagentechnik verbinden.“ Vermutlich ist das erst der Anfang, denn neue Patente und Erfindungen sind weltweit in der Erprobung, die Corona-Pandemie wirkte dabei wie ein Beschleuniger dieser Entwicklung. Flächenbeschichtungen, die wochenlang Viren abtöten, wie es sie in Deutschland bereits an einigen Geldautomaten und Serviceschaltern gibt, werden auch auf dem Frankfurter Messegelände nur noch eine Frage der Zeit sein.

Fazit
Die Messe Frankfurt ist vorbereitet und bereit, das Messegeschehen wieder aufzunehmen. Kontakte knüpfen, neue Produkte entdecken, sich mit anderen Branchenteilnehmern austauschen, Impulse erhalten, über Lösungen sprechen, die Trends erkunden – unabdingbar für den Erfolg von Händlern. Die Messe ist ein Ort, an dem all das gebündelt möglich ist.

Herzlichen Dank für das Interview!

Blick in die Schaltzentrale des Operation Security Centers der Messe Frankfurt. An der Wand und auf den Schreibtischen sind etliche Überwachungsbildschirme zu sehen. Ein Mitarbeiter schaut auf einen der Bildschirme, der andere Mitarbeiter geht gerade zu seinem Platz.

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